Mann mit Hund

Mann mit Hund

Der Mann mit Hund erläutert den Cost-Average-Effect, es geht um eine Risikostrategie, genauer: Um eine Strategie zur Risikominimierung. Angenommen, du hast 10.000 € zur Verfügung und möchtest dafür Aktien kaufen, die du langfristig halten willst. Wie gehst du vor?

Diversifikation

Zunächst einmal solltest du dein Geld auf verschiedene Aktien verteilen, nicht alle Eier in einen Korb legen, dein Depot also über verschiedene Länder, Währungen und Branchen diversifizieren. Bekommt nun eine deiner Aktien Probleme, hast du noch viele weitere, die das ausgleichen. Das Risiko wird durch Diversifizierung gestreut, Verluste und Gewinne werden gleichermaßen abgemildert.

Bei der langfristigen Anlage bist du nicht der Spieler in einem Casino, der all sein Geld auf eine Farbe setzt, und dann wieder, und dann wieder.. Sondern du bist in diesem Casino die Bank, die einen vergleichsweise moderaten, aber dafür kontinuierlichen Gewinn einfährt. Du hast so zwar nicht die Chance auf schnelle, hohe Gewinne, aber auch nicht das Risiko schneller und hoher Verluste. Ein Spieler kann an einem Abend mit einem Sack voll Geld nach Hause gehen, und am nächsten Tag alles wieder verspielen. Denn auf lange Sicht, das weiß jeder Spieler ganz genau, gewinnt nur die Bank.

Das Risiko wird minimiert, in dem es gestreut wird, denn dann regiert nicht mehr der Zufall, sondern die Statistik. Einen Münzwurf vorherzusagen ist unmöglich. Tausend Münzwürfe vorherzusagen ist leicht: Hälfte Kopf, hälfte Zahl, ungefähr. Und diese Risikostreuung kann man nicht nur über verschiedene Aktien hinweg betreiben, sondern auch über die Zeit:

Der Durchschnittskosteneffekt

Lassen wir die Diversifikation mal beiseite und sagen, du möchtest für deine 10.000 € nur McDonald’s Aktien kaufen. Aber die natürlich möglichst günstig. Dann stellt sich sofort die Frage: Wann sind sie denn besonders günstig. Die Antwort ist ganz einfach: Man weiß es nicht. Man ahnt es vielleicht.. und irrt sich doch.. oder auch nicht.. kurz und gut: Man weiß es nicht.

Wenn man aber sowieso nicht weiß, wie sich die Aktien entwickeln, dann ist es logischerweise auch völlig egal, wann ich sie kaufe. Heute ist genauso gut wie morgen. Aber was passiert, wenn ich nicht alle Aktien auf einmal kaufe, sondern mein Geld in zehn Portionen aufteile – beziehungsweise wenn du das tust: Statt heute einmal für 10.000 € zu kaufen, kaufst du dir deine McDonald’s Aktien über zehn Monate zusammen, jeden Monat für 1.000 €. Macht das einen Unterschied?

Ja, allerdings! Denn du verringerst dadurch dein Risiko, an einem richtig schlechten Tag zu kaufen. Stell dir vor, die Aktie steigt und steigt, dann kaufst du sie und ab dem nächsten Tag fällt sie nur noch. Dann kannst du dich zurücklehnen und sagen: Super, da hab ich wirklich den teuersten Zeitpunkt getroffen. Kaufst du dich allerdings langsam in diese fallende Aktie hinein, dann bekommst du insgesamt einen deutlich niedrigeren Preis. Umgekehrt gilt das natürlich genauso: Steigt die Aktie ab morgen, hättest du bei einem Einmalkauf (ganz am Anfang) einen größeren Gewinn.

Das langsame Hineinkaufen in eine Aktienanlage führt also nicht dazu, dass du einen besseren Preis bekommst. Das geht ja nicht, haben wir oben schon festgestellt. Sondern es führt dazu, dass der Preispunkt, zu dem du kaufst, nicht zu einem Glücksspiel wird. Du kaufst zu einem Durchschnittswert über den Zeitraum deiner Käufe. Kaufst du zehn Monate lang, dann kaufst du insgesamt zu dem Preis, den die Aktie durchschnittlich in diesen zehn Monaten hatte. Dieses Prinzip nennt sich Durchschnittskosteneffekt oder auf englisch: Cost-Average-Effect.

Und was ist mit dem Hund?

Dieser Cost-Average-Effect ist mathematisch ziemlich klar: Er ersetzt den Zufall durch die Statistik, wie oben die Diversifikation. Aber was bedeutet dieser Durchschnittskurs, was ist das für eine Zahl?

Ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster und nenne diesen Durchschnittskurs den eigentlichen Preis der Aktie, bereinigt von allen Umständen und Widrigkeiten, denen der Aktienkurs ausgesetzt ist: Bereinigt vom aktuellen Ölpreis, vom Wechselkurs Dollar zu Euro, vom letzten Skandal in der Branche, der kurzfristig abfärbt, bereinigt von Trumps letztem Tweet, davon, dass irgendein Fonds seine Bestände aufgestockt hat, bereinigt von lauter solchen Kleinigkeiten, die schnell wieder vergessen sind und den Aktienkurs wild herum scheuchen.

Ich behaupte, dass im Zentrum dieser kurzfristigen Aufs und Abs der eigentliche Preis der Aktie liegt, der von fundamentaleren Dingen bestimmt wird, wie den Gewinnen, Schulden, dem Umsatz und den Zukunftsaussichten der Firma, die hinter dieser Aktie steht. Denn letztlich sind Aktien einen Beteiligung an dem Unternehmen, dass diese Aktien ausgegeben hat und nicht nur ein virtuelles Papier, dass auf irgendetwas wettet – auf was denn wohl auch.. Und ich behaupte außerdem, dass für eine langfristige Anlage nur der eigentliche Preis einer Aktie von Bedeutung ist, weil alles Kursgezitter sich über die Jahre ohnehin statistisch verschleift.

Und nun kommt der Hund:

Man kann nämlich den eigentlichen Preis einer Aktie mit einem Mann vergleichen, der mit seinem Hund spazieren geht. Der Hund rennt mal vor, mal bleibt er zurück, aber er verliert dabei nie den Mann aus dem Blick. Und der Mann, der geht unbeirrt seinen Weg. In diesem Bild ist der Mann der eigentliche Preis der Aktie und der Hund ist der aktuelle Preis, zu dem die Aktie an der Börse gehandelt wird. Der Aktienpreis (Hund) scheint unberechenbar, aber bei genauem Hinsehen zieht der eigentliche Preis (Mann) ihn mit sich mit.

Und das bringt mich zu der dritten Behauptung, die ich in diesem Artikel machen möchte (damit ist es dann auch gut):

Ich behaupte, dass der eigentliche Preis von Aktien durchschnittlich steigt. Wenn man also gut diversifiziert ist, dann werden die eigentlichen Preise der Aktien, die man im Depot hat, im Durchschnitt steigen. Oder anders ausgedrückt: Die Wirtschaft wächst immer weiter. Weil die Produktivität durch Entdeckungen, Erfindungen und Maschinen immer weiter steigt, ein einzelner Mensch also heute viel mehr Güter produzieren kann als noch vor zehn Jahren und viel weniger als bereits in zehn Jahren. Und das ist der Grund, aus dem eine langfristige Aktienanlage profitabel ist, solange sie die Risiken (das Vor und Zurück des Hundes) nur gut genug streut.

Die Transaktionskosten

Abschließend möchte ich noch anmerken, dass selbstverständlich die Transaktionskosten dem Aufteilen der Käufe eine Grenze setzen. Eine Aktie für einen Euro zu kaufen ist bei 7,95 € Transaktionskosten sicher nicht sinnvoll. Da die Transaktionskosten meistens einen festen und einen prozentualen Anteil haben, gibt es je nach Broker einen Kaufpreis, ab dem sich der feste Anteil kaum noch auswirkt. Meistens liegt dieser Preis bei etwa 1.000 €, darum habe ich das Beispiel oben auch so gewählt.

Bei den meisten Brokern lohnt sich also eine Stückelung unter 1.000 € je Kauf nicht – bei manchen liegt dieser Betrag aber auch bei 700 €, das solltest du dir für deinen Broker einmal ausrechnen.

Oft allerdings gibt es auch die Möglichkeit, Aktien über einen Sparplan zu kaufen. In der Regel werden dann nur etwa 1% vom Kaufpreis als Transaktionskosten fällig, selbst wenn man nur für z.B. 25 € Aktien kauft. Dieser Sparplan wird dann jeden Monat ausgeführt und ist somit ideal, um vom Cost-Average-Effect zu profitieren.

Meist kannst du Sparpläne auch für Einmalkäufe nutzen, indem du sie direkt nach Abschluss wieder kündigst (das kostet i.d.R. nichts), so dass sie nur jeweils einmal ausgeführt werden. Um auf diese Weise allerdings 10.000 € in 25 € Stückelungen zu zerlegen, ist diese Methode dann wohl doch nicht geeignet.

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