Don't Panic

Coronavirus lässt die Kurse fallen – Was ist jetzt zu tun?

Das Coronavirus COVID-19 lässt in praktisch allen Indizes weltweit die Aktienkurse fallen. Die Märkte zeigen eine deutliche Verunsicherung, wenn nicht sogar schon eine leichte Panik. Wie sollte man nun am Besten darauf reagieren?

Gründe für fallende Kurse

Zunächst sei einmal gesagt, dass die Reaktion der Börsen nicht nur psychologisch ist. China ist für viele Unternehmen weltweit die Werkbank, auf der die eigenen Produkte hergestellt werden. Bricht dort die Produktion ein, dann gibt es auch weniger zu verkaufen. Je nach Größe der Warenlager, wirkt sich das schneller oder weniger schnell aus und kann entsprechend auch schlechter oder besser abgefedert werden.

Je stärker Just-In-Time produziert wird, desto unmittelbarer schlägt ein Rückgang der Produktion auf Umsatz und Gewinn. Viele sehr große Unternehmen, darunter auch Apple, haben auf Grund des Coronavirus bereits Gewinnwarnungen herausgegeben (eine Gewinnwarnung ist die Ankündigung eines Unternehmens, dass die zu erwartenden Gewinne geringer ausfallen werden als ursprünglich prognostiziert).

Zudem besteht die Gefahr, dass kleinere Zulieferer in die Insolvenz gezwungen werden, wenn sie nicht über den nötigen finanziellen Spielraum verfügen. Und mit einzelnen Kettengliedern können so auch längere, weltweite Produktionsketten abreißen.

Dass das Coronavirus in China umgeht ist seit Jahresbeginn bekannt, dennoch sind die Kurse im Januar und weit in den Februar hinein noch kräftig gestiegen. Der Grund dafür ist, dass der Erreger erst jetzt außer Kontrolle geraten ist. Jetzt erst ist die Pandemie da; die Ausbreitung des Virus kann jetzt vielleicht noch verlangsamt, aber nicht mehr gestoppt werden und ein Impfstoff ist in weiter Ferne.

Hinzu kommen noch zwei psychologische Punkte: Zum einen sind viele Märkte ohnehin schon überkauft. Das Geröll des Coronavirus kann so einen Berghang in die Tiefe reißen, der ohnehin und auch vorher schon sehr locker war. Zum anderen besteht die Gefahr einer Angst vor der Angst, die ähnlich wie 2008 zunächst beschleunigend auf einen eigentlich rational begründeten Absturz wirkt, und später dann zur Hauptursache aufsteigt.

Abbremsende Faktoren

Dem entgegen wirken allerdings auch einige Punkte: So wird aus einer Darstellung der Johns Hopkins Universität (siehe Abbildung) deutlich, dass die Anzahl der Neuinfektionen in China bereits erheblich zurückgegangen ist (Orange ganz oben sind die Fallzahlen ingesamt in Festland-China, Gelb ganz unten die in der übrigen Welt, Grün in der Mitte die Fälle bereits genesener Patienten).

Coronavirus Fallzahlen, Quelle: Johns Hopkins CSSE
Coronavirus Fallzahlen Stand 28. Februar 2020, Quelle: Johns Hopkins CSSE

Überhaupt wird damit gerechnet, dass sich das Coronavirus ähnlich wie eine gewöhnliche Grippe verhält und durch die wärmer werdenden Temperaturen gestoppt wird (wer hat je von einer Grippewelle im Sommer gehört?). Die Grippesaison ist in Deutschland fast beendet, das könnte dem Coronavirus auch passieren, ehe es noch richtig Fahrt aufgenommen hat. Da sich die wirtschaftlich relevanteren Gebiete auf der nördlichen Hemisphäre befinden, könnte das bald eine deutliche Entspannung bringen. Und wenn es zum Jahresende hin wieder schwieriger wird, liegt vielleicht schon ein Impfstoff vor.

Außerdem wird es sehr wahrscheinlich von Seiten der Politik und der Zentralbanken Maßnahmen geben, um die Wirtschaft zu unterstützen. Wenn auch die Europäische Zentralbank auf Grund der ohnehin schon sehr niedrigen Zinsen wenig Spielraum nach unten hat, ist das bei anderen Zentralbanken, allen vorweg der amerikanischen FED sehr wahrscheinlich, dass sie den Kursverfall durch Senken der Zinsen abbremsen werden. Sollte sich dann die Lage an der Coronafront verbessern, wirken diese Maßnahmen immer noch und können zu einer regelrechten Rallye führen.

Auch die Politik hat Maßnahmen im Köcher: In den USA ist Donald Trump sehr daran interessiert die Aktienkurse des allerbesten Landes durch den allerbesten Präsidenten gestützt zu sehen und er hat sich auch schon dementsprechend geäußert. Und auch in Deutschland werden bereits Steuersenkungen und Kurzarbeit diskutiert, um die finanziellen Folgen für die Unternehmen abzufedern.

Wie sollte man sich jetzt verhalten?

Wenn eine einzelne Aktie fällt, dann kann das gute Gründe im Unternehmen haben. Wenn aber ein ganzer Markt fällt, dann sind die einzelnen Unternehmen in der Regel dadurch nicht schlechter geworden. Frei nach Warren Buffet ist es immer eine gute Idee zu kaufen, wenn der Markt um 10% gefallen ist – wenn man eine langfristige Strategie verfolgt, also nicht spekuliert. Und ja, antizyklisches handeln (also solches gegen die aktuelle Marktströmung) kostet Überwindung, zu kaufen, wenn alle verkaufen.

Aber langfristig werden sich die Kurse mit Sicherheit wieder erholen. Wie lange man allerdings warten muss und ob das auch für eine konkrete Aktie gilt, das kann ich nicht sagen. Es kann gut sein, dass sich bereits angeschlagenen Unternehmen im rauheren Klima gar nicht mehr halten können und Pleite gehen. Wenn dir aber eine Aktie vor dem Coronavirus als kaufenswert erschien, dann ist der aktuelle Rücksetzer vermutlich eine gute Kaufgelegenheit.

Da aber nicht abzuschätzen ist, wie tief die Märkte noch fallen werden, ist es eine gute Idee, sich auch in diese fallenden Märkte langsam hinein zu kaufen und nicht alles Pulver gleich am Anfang zu verschießen. Einige Verhaltensregeln im Überblick:

  • Aktienbestand nicht verkaufen, die Kurse steigen wieder.
  • Langsam Aktien nachkaufen und über die niedrigen Preise freuen.
  • Gelegenheit nutzen und Diversifikation ausbauen.
  • Sparpläne weiterlaufen lassen.
  • Und das wichtigste: Keine Panik!

Zum Abschluss noch zwei Anmerkungen: Diese Verhaltensregeln resultieren aus meiner allgemeinen Erfahrung. Was für dich in deiner konkreten Situation das Richtige ist, kann genau gegenteilig zu meiner Erfahrung sein, das kann ich aus der Ferne gar nicht beurteilen. Du bist selbst für dein Handeln verantwortlich.

Und: Alles Beschriebene bezieht sich auf die wirtschaftliche Betrachtung der Geschehnisse rund um den Ausbruch des Coronavirus. Tatsächlich sind die menschlichen Folgen sehr schlimm, es herrscht große Angst und allen Betroffenen drücke ich die Daumen, dass es ihnen bald möglich wieder besser gehen wird. Wenn es um Menschenleben geht, rangiert das finanzielle natürlich erst an zweiter Stelle.

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