Piotroski F-Score

Aktienwissen: Piotroski F-Score (Teil 1)

Der Piotroski F-Score ist eine Checkliste für Anleger, um die finanzielle Stärke eines Unternehmens einzuschätzen.

Joseph D. Piotroski

Joseph D. Piotroski ist ein US-amerikanischer Professor für Rechnungswesen an der Graduate School of Business der Stanford University. Bereits vor zwanzig Jahren hat er eine Arbeit veröffentlicht, die untersuchte, welche Kriterien aus der Bilanz eines Unternehmens am besten vorhersagen können, ob dieses Unternehmen in Zukunft wirtschaftlichen Erfolg haben wird.

Der F-Score

Das Ergebnis seiner Arbeit ist der sogenannte F-Score (in etwa „Finanz-Bewertung“). Piotroski wählt neun finanzielle Signale aus, die ich gleich unten genauer vorstelle. Jedes dieser Signale ist entweder gut oder schlecht. Anschließend zählt er die guten Signale zusammen und erhält so den F-Score.

Einem Unternehmen wird mit dem F-Score also anhand seiner Bilanz ein Punktewert zwischen 0 und 9 zugewiesen. Für die Bewertung der finanzielle Stärke dieses Unternehmens gilt dann folgende Tabelle:

F-ScoreBewertung
0 bis 2schwach, deutlich erhöhtes Insolvenzrisiko
3 bis 7neutral, durchschnittlich
8 oder 9stark, eine überdurchschnittliche Entwicklung ist zu erwarten

Berechnung des F-Score

Um den F-Score eines Unternehmens zu berechnen, muss man nun die neun Signale durchgehen, sich für jedes die notwendigen Finanzdaten (über eine Internetsuche) beschaffen und sie mit dem jeweiligen Kriterium abgleichen.

Da diese Signale zum Teil einiges an Fachwissen erfordern, kann ich die Berechnung in diesem einen Beitrag leider nicht so detailliert darstellen, dass jeder sofort loslegen kann. Ich will jetzt aber einen Überblick bieten und in späteren Beiträgen in der Kategorie Aktienwissen alles notwendige zusammentragen.

Auf diese Weise kannst du eine Menge über Aktien und die Bewertung von Unternehmen lernen und schließlich auch den P-Score berechnen. Hast du das notwendige Wissen bereits, dann genügt dir vielleicht auch schon der folgende Überblick.

Piotroski unterteilt seine finanziellen Signale in drei Gruppen:

Profitabilität

Signal 1: Nettogewinn

Der Nettogewinn ist der Umsatz abzüglich der Kosten.

0bei einem negativen Nettogewinn (also einem Nettoverlust)
1bei einem positiven Nettogewinn

Signal 2: Operativer Cash Flow

Der Operative Cash Flow (OCF) sind die liquiden Mittel (Cash Flow), die unmittelbar aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (operativ) entstehen.

0bei einem negativen Operativen Cash flow
1bei einem positiven Operativen Cash flow

Signal 3: Gesamtkapitalrendite

Die Gesamtkapitalrendite gibt an, wie gewinnbringend ein Unternehmen das ihm zur Verfügung stehende Kapital einsetzt (Fremdkapital und Eigenkapital).

0die Gesamtkapitalrendite ist niedriger als im Vorjahr
1die Gesamtkapitalrendite ist höher als im Vorjahr

Signal 4: Verhältnis Operativer Cash Flow zu Nettogewinn

Die Begriffe Operativer Cash Flow und Nettogewinn habe ich oben ja schon umrissen. Dieses Kriterium soll erkennen, ob ein Unternehmen durch Tricks und Kniffe seinen Nettogewinn schön rechnet.

0der Operative Cash Flow ist kleiner als der Nettogewinn
1der Operative Cash Flow ist größer als der Nettogewinn

Finanzierung und Liquidität

Signal 5: Verschuldungsgrad

Der Verschuldungsgrad berechnet sich aus dem Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital.

0der Verschuldungsgrad ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen
1der Verschuldungsgrad ist gegenüber dem Vorjahr gesunken

Signal 6: Liquidität 3. Grades

Bei der Liquidität 3. Grades möchte ich ein bisschen mehr erklären, sonst klingt das zu kryptisch:

Beginnen wir mit dem Fremdkapital. In der Betriebswirtschaftslehre ist es das Gegenteil vom Eigenkapital, also die Schulden und Verbindlichkeiten eines Unternehmens. Das kurzfristige Fremdkapital sind dann, weniger gestelzt ausgedrückt, z.B. die Rechnungen, die das Unternehmen kurzfristig begleichen muss, etwa für Waren, die es gekauft hat.

Die Liquidität ersten, zweiten und dritten Grades, stellt nun das kurzfristige Fremdkapital dem kurzfristig verfügbare Vermögen gegenüber, beschreibt also kurz gesagt die Fähigkeit des Unternehmens, seine Rechnungen zu bezahlen.

Das kurzfristig verfügbare Vermögen kann nun aus Geldquellen bestehen, die sofort und unmittelbar verfügbar sind (1. Grad), oder es kommen noch kurzfristige Forderungen hinzu und sonstige, kurzfristig auflösbaren Vermögenswerte (2. Grad), oder es werden zusätzlich noch die Lagerbestände herangezogen, die man ja auch auf die Schnelle verkaufen kann.

Die Liquidität 3. Grades ist also, vereinfacht gesagt, die Fähigkeit eines Unternehmens seine aktuellen Rechnungen zu bezahlen, wenn es alles zusammenkratzt, was sich auf die Schnelle zu Geld machen lässt.

0die Liquidität 3. Grades ist geringer als im Vorjahr
1die Liquidität 3. Grades ist höher als im Vorjahr

Signal 7: Aktienanzahl

Hiermit die gesamte Menge der Aktien eines Unternehmens gemeint. Steigt diese Zahl, dann hat das Unternehmen z.B. eine Kapitalerhöhung vorgenommen und damit die Anteile eines einzelnen Aktionärs am Unternehmen verwässert.

0die Anzahl der Aktien ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen
1die Anzahl der Aktien ist gegenüber dem Vorjahr gleich geblieben oder gesunken

Operative Effizienz

Signal 8: Rohmarge

Die Rohmarge (auch Rohertrag) ist die Differenz zwischen Umsatzerlösen und dem Waren- bzw. Materialeinsatz. Sämtliche anderen Kosten und Erträge bleiben unberücksichtigt.

Im Handel wäre die Handelsspanne die Rohmarge, kauft ein Supermarkt einen Apfel für 50 Cent und verkauft ihn für 70 Cent, dann ergäbe sich eine Rohmarge von 20 Cent.

0die Rohmarge ist nicht höher als im Jahr zuvor
1die Rohmarge ist höher als im Jahr zuvor

Signal 9: Kapitalumschlag

Der Kapitalumschlag misst, wie oft im Jahr ein Unternehmen sein eingesetztes Kapital über den Umsatz umschlägt: Hat ein Unternehmen z.B. einen Lagerbestand von 100.000 Euro und macht im Jahr einen Umsatz von 400.000 Euro, dann liegt der Kapitalumschlag bei 4. Kann das Unternehmen z.B. durch Bestandsoptimierung seinen Lagerbestand auf 50.000 Euro senken, dabei aber den Umsatz bei 400.000 Euro halten, dann steigt der Kapitalumschlag auf 8.

Entsprechend kann man über den Kapitalumschlag ganz gut die Effizienz eines Unternehmens einschätzen.

0der Kapitalumschlag ist nicht höher als im Vorjahr
1der Kapitalumschlag ist höher als im Vorjahr

Wie geht’s nun weiter?

Im zweiten Teil dieses Artikels sehen wir uns an, wie nützlich der Piotroski F-Score für die Aktienbewertung ist und welche Aktien besonders gut oder schlecht dabei abschneiden.

In weiteren, späteren Artikeln erforschen wir die einzelnen Signale noch etwas tiefer und versetzen uns in die Lage, den F-Score eines Unternehmens selbst zu berechnen und auch zu verstehen, was diese Berechnungen bedeuten.

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